Profil

"Die Kirchliche Arbeit Alpirsbach ist nicht eine 'Bewegung', auch nicht eine liturgische Bewegung, sie ist einfach und umfassend kirchliche Arbeit" (Einladung 1941).

Dieses in der Anfangszeit entwickelte Selbstverständnis entsprach der damaligen Lage der evangelischen Kirchen und den Herausforderungen jener Zeit des Kirchenkampfs, aber auch der Rückbesinnung auf unsere reformatorischen Grundlagen und dem Anliegen der Erneuerung des Gottesdienstes in der evangelischen Kirche.
Die Arbeit in den Gregorianischen Wochen der KAA gründet auf zwei Säulen: die eine bildet der Gottesdienst in den Stundengebeten und der Messe und deren musikalische Gestaltung, die andere besteht in der Beschäftigung mit den akuten Fragen und Herausforderungen der Theologie, der Liturgie und des kirchlichen Lebens. Das verleiht den Gottesdiensten, den Singübungen und dem Studium ein je eigenes Gewicht.

Die Kirchliche Arbeit Alpirsbach gewinnt ihr Profil im wesentlichen durch vier Eigenheiten. Diese sind:

(a) das von Friedrich Buchholz geschaffene Alpirsbacher Antiphonale.
  Dieses bietet mit dem Luthertext der Bibel und den durch Rudolf Alexander Schröder (1878-1962) übertragenen Hymnen unter Wahrung des originalen Charakters der Gregorianik zweifellos einen Kristallisationskern für die besondere Identität der Kirchlichen Arbeit Alpirsbach.
Das Alpirsbacher Antiphonale unterlegt den altüberlieferten gregorianischen Melodien die der evangelischen Frömmigkeit vertraute Sprache Martin Luthers. Das ist nicht unproblematisch, weil die gregorianischen Melodien lateinischen Text vertonen. Doch bemüht sich die Kirchliche Arbeit Alpirsbach nach Kräften um Verbesserungen der Wort-Ton-Verbindung nach den Erkenntnissen der semiologischen Forschung.
Es gehört nach Buchholz zum Wesen des unter dem Namen "Alpirsbach" Begonnenen entscheidend hinzu, stets vorwärts schreitend und verbessernd über das jeweils Vorläufige hinauszustreben.

(b) die in den Gregorianischen Wochen als "Kloster auf Zeit" geprägte Spiritualität und Gemeinschaft.
Das gemeinsame Singen der Stundengebete, der Psalter in der deutschen Übertragung Martin Luthers, das gemeinschaftliche Einüben der Gesänge zu einer deutschen Messe entbirgt und vermittelt eine besondere Spiritualität. Es bildet sich eine Gemeinschaft um eine gemeinsam übernommene Aufgabe, nämlich den Gottesdienst als geprägte Form und als Spiel zum Lob Gottes, das Einstimmen in das Gebet Israels und der Kirche vor Zeiten und weltweit.

(c) der dem benediktinischen Prinzip "ora et labora" ("bete und arbeite") verpflichtete
- künstlerische Anspruch an die Form der Liturgie und
- theologische Anspruch an das Studium.
Liturgie wird in der Kirchlichen Arbeit Alpirsbach als Funktion der Theologie verstanden, Theologie als Funktion der Liturgie, d.h. beide sind von einander abhängige Größen: Der Gottesdienst bedarf theologischer Fundierung, und die Theologie muss auf den Gottesdienst ausgerichtet sein.
Aufgrund dieses Anspruchs sind die Gregorianischen Wochen durch liturgische und theologische, künstlerische und gedankliche Konzentration geprägt.

(d) das Selbstverständnis, "umfassend kirchliche Arbeit" zu sein; dies schließt insbesondere auch das Ziel ein, formbildend in der Kirche wirksam zu werden.
Aus Vertrautheit mit der deutschen Gregorianik erwachsen Formgefühl und Maßstäbe für die Liturgien unserer Zeit.


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