Bericht zur Epiphaniaswoche in Heiligkreuztal 2026
In diesem Jahr war es etwas ganz Besonderes, das Jahr in Heiligkreuztal zu begrüßen, das Kloster mit seiner Umgebung strahlte im schönsten frostigen Winterkleid und wir begannen direkt am Neujahrstag mit unserer Woche! Beides tat der Woche sehr gut.
Hier nun der Bericht eines unserer zahlreichen Novizen:
Freude, Lachen und Lobgesang – ein frohes neues Jahr aus Heiligkreuztal!
„Einen guten Rutsch!“ sagt man ja gerne an Silvester. Und ich darf verkünden: Ich bin in diesem Jahr in vielerlei Hinsicht gut gerutscht.
Nach einem ruhigen Silvesterabend bei meinen Eltern hatte ich am 1. Januar eine kleine (und glücklicherweise wenig gefährliche) Rutschpartie in einem Kreisverkehr kurz vor Heiligkreuztal. Von hier aus ließ ich mich gern weiter gleiten: Zunächst in ein Studium mit dem verheißungsvollen Titel "Und Sara lachte in sich hinein", dann weiter in die Töne und Klänge der Stundengebete. Und ganz allmählich wurden die Schritte und Töne der Weihnachts- und Epiphaniaspsalmen immer sicherer.
Als am zweiten Januar dann der Schnee den Boden der Stufen zur Klosterkirche bedeckte, hätte der Gang zur Statio erneut eine rutschige Angelegenheit werden können. Aber weit gefehlt! Auch beim Gang über die hubbeligen Steine im Kreuzgang ist niemand ins Straucheln geraten – auch dank der vielen gegenseitigen Fürsorge. Vielleicht ja ganz im Sinne des Wunsches „Guten Rutsch“ – hebr. „Rosch ha shana!“ - Alles Gute zum Anfang des Jahres“.
Nach vielen Jahren der Alpirsbacher Abstinenz war mein Besuch längst überfällig. Die Entscheidung für Heiligkreuztal erwies sich dabei als absoluter Glücksgriff. In wirklich jeder Hinsicht.
Freude
Wer schon einmal eine Alpirsbacher Woche miterleben durfte, erinnert sich garantiert an die besondere Atmosphäre dort. Das freundliche Willkommen, die Freude des Wiedersehens, die intensiven Gespräche, die Freude an Erinnerungen und neuen Bekanntschaften, an unterschiedlichen Meinungen, die viele neue Blicke eröffneten, die Herzen weiteten und auch an den mit jedem Tag erfolgreicher gesungenen Terzen, Quarten oder Quinten.
Auch in diesem Jahr durfte während der Woche ein Geburtstag gefeiert werden. Vierstimmige Sätze wurden noch abends im Rupert-Mayer-Saal angestimmt, und so mancher Gedanke aus den Gesprächen bis spät in die Nacht schaffte es sogar in die Einleitung des Studiums am nächsten Tag.
Barbara Wurz leitete als Präses die Woche an und hielt auch die Predigt in der Messe, und schlug damit den Bogen, der sich für mich über die gesamte Woche spannte. Innere Ruhe und Frieden durch klare Struktur und den Halt des Geleitet-Werdens nehme ich mit in meinen Alltag. Selten habe ich eine so gute Predigt wie ihre in der Messe am Sonntag hören dürfen. Es war, als spräche sie aus mir selbst. Ich wünschte, ich könnte mir diese allumfassende Geborgenheit noch mindestens bis zu meiner nächsten Alpirsbacher Woche bewahren.
Leider war es mir nicht vergönnt, Siegfried Müller kennenzulernen, der aufgrund einer schweren Erkrankung in diesem Jahr nicht an der Woche teilnehmen konnte. Sein Geist begleitete uns dennoch und rief viele schöne Momente in respektvoller und freudiger Erinnerung wach. Sein über viele Jahre engagiert geführtes Amt des Ostiarius und Candelarius hatte Beate Sturm sich von ihm im Vorjahr in allen seinen Details zeigen lassen. Und nun war ich es, der sich alles von ihr abschauen durfte. Beate kümmerte sich mit liebevollem Fleiß um die Beleuchtung, das Aufschließen der Kirche und das Einschalten der sicherlich einigen bekannten Fußheizung im Nonnengestühl. Und sie tat dies stets mit einem herzerfüllenden Lachen, das mich die klirrende Kälte in der Kirche für einen Moment fast vergessen ließ.
Lachen
Doch dies war nicht das einzige Lachen, das uns in dieser Woche erfüllte. Harry Waßmann hatte interessante Impulse aus der jüdischen Tradition mitgebracht, und wir beschäftigten uns gemeinsam mit der Rolle der Sara sowie durchaus auch kritisch mit Abraham und seinem ehelichen Exkurs mit Hagar. Obwohl ich am ersten Tag des Studiums noch die Sorge hatte, dass mein mangelndes biblisches, hebräisches und auch jüdisches Vorwissen mich in diesem Studium aus der Bahn werfen könnte, war es doch wie stets in dieser Woche: Ich rutschte gut in die Thematik hinein. Dies lag nicht zuletzt an der lebhaften Art der Leitung. Rückblickend würde ich das Studium als einen sehr intensiven und lebhaften Austausch anhand unterschiedlicher Bibelstellen bezeichnen, in den alle Teilnehmenden einen wertvollen Beitrag einbringen durften. Vorlesung? – Fehlanzeige! Hier durfte jeder mitarbeiten und sich ohne jegliche Gedankenverbote einbringen. Es war ein wirklich toller gemeinschaftlicher Austausch, der, wie wir am letzten Tag erfuhren, Harry Waßmann in naher Zukunft bei einem ähnlichen Studium Impulse mit auf den Weg geben soll.
Doch bleiben wir beim Lachen. Ein unvergesslicher Moment waren zweifellos die Lesungen, die Alexander Beck (auch Hebdomadarius der Woche) aus dem Buch Jesus Sirach ausgewählt hatte. Wer mag, darf sich den folgenden Satz gerne einmal in gesungener Form in der Sext vorstellen:
„Das Auge des Geizigen hastet nach Speise, / Unruhe herrscht an seinem Tisch.“
Die Sittlichkeit bei Tische wurde spätestens nach dieser unmissverständlichen Ermahnung bei dem ausgesprochen guten Mittagessen nach meinen Beobachtungen zumindest von allen Mitessenden gewahrt.
Lobgesang
Wer schon einmal in Heiligkreuztal war, weiß, dass die Wirkung der weihnachtlichen Gesänge an diesem besonderen Ort kaum in Worte zu fassen ist. Und das meine ich (trotz meiner journalistischen Erfahrung) neidlos wörtlich. Die Leitung durch Elisabeth Hofmann als Kantorin war beispiellos, was bei 19 Teilnehmenden und auch vielen neuen Gesichtern sicherlich nicht einfach war.
Das Ausschütteln der Arme und das Abklopfen des eigenen Körpers als Vorbereitung für eine Gesangsübung gehören einfach dazu – jeder darf mitmachen, aber niemand muss. Mit Nachsicht, Empathie, Feinfühligkeit und Perfektion führte sie uns durch die unterschiedlichen Psalmmodelle und Hymnen der Stundengebete bis hin zu einer Messe, die sowohl sicher als auch nahezu reibungslos verlief. (Nur mit dem Weihrauch hatten es die katholischen Schwestern und Brüder etwas zu gut mit uns gemeint – für mein Singen etwas hinderlich.) Ich bin sicherlich nicht der Einzige, der sagt, dass er noch nie erlebt hat, wie eine Kantorin einen Ton mit so vielen unterschiedlichen Worten und Handzeichen in unsere Herzen und Stimmen malen kann. Der Erfolg beim auswendig gesungenen Halleluja gab ihr Recht, dass wir Teilnehmenden das Notenbuch längst nicht mehr gebraucht hätten.
Ich möchte jedoch noch eine Person hervorheben, die mich in dieser Woche mehrfach beeindruckt hat – nicht nur in den Homilien. Mit absoluter Flexibilität sprang Walter Pehl in allen Stundengebeten ein, sobald einmal Not am Mann war. Er war wie ein Anker, auf den wir alle immer wieder dankbar zurückgriffen.
Das ist vielleicht ein nicht zu verachtender Vorteil dieser Woche. Das Jahr liegt noch vor uns. Ich für meinen Teil habe mich direkt für die Osterwoche angemeldet, um diese tolle Erfahrung nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Vielleicht sehen wir uns ja bald wieder. Ich bin noch immer erfüllt von der Freude, dem Lachen und dem unvergesslichen Lobgesang dieses Jahresbeginns. Meinen Dank an all die lieben Menschen, die mich bei dieser Erfahrung begleitet haben.

